Ich bin einfach der Meinung, es entspricht nicht Faramirs Wesen, sich in ein Rotlichtviertel zu begeben. Das kann ich mir nicht einmal in seiner Jugend vorstellen. Er ist einfach durch und durch ein ehrenhafter Mann und der geht nicht dorthin, wo man sich so vergnügt. Wer sich zu einer Prostitutierten begibt, hat ja doch irgendwie Bedürfnisse. Doch wer sagt, dass es einem Mann (auch im hitzigen Blute der Jugend) immer so drängend sein muss? Nee, Faramir war da sicher eher zurückhaltend. Auch Beregond wäre kaum in ein Bordell gegangen.
Vielleicht lehne ich mich doch etwas zu weit aus dem Fenster, wenn ich Faramir und Boromir sowas zutraue. Irgendwie passt es wohl doch nicht so gut. Ihr habt ja recht. Ich sollte wohl solche FFs nicht lesen.
In unserem Ithilien-RPG wurde jetzt auch ein Freudenhaus eröffnet.
Bei mancher FF, wo Faramir und Co. ins Freudenhaus gehen, geht es eher um die Freuden im Haus und nicht um die Charaktere. Und das ärgert mich. Ich mag keinen leichtlebigen Faramir, der sich lieber in solchen Häusern vergnügt, statt sich um seine Pflichten zu kümmern. Das ist für mich unlogisch. Allerdings geht es mir auch bei Éomer ähnlich. Nicht einmal bei ihm kann ich mir vorstellen, er würde mal eben... naja.
Ich bin auch der Meinung, dass so etwas nicht zu Faramir passt. Aber wie steht es mit Denethor? Ich will ihm jetzt nicht unterstellen, dass er irgendwie unehrenhaft war, aber ich habe mich schon vor einer Weile gefragt, wie er es so lange ohne Frau ausgehalten hat. Schließlich ist er auch nur ein Mann, wenn auch von hoher Abstammung.
Denethor könnte sich z.B. eine Mätresse gehalten haben. Das war bei Edelmännern im MA gang und gäbe. Aber irgendwie kann ich es mir bei ihm nicht so richtig vorstellen.
Denethor hat seine Frau Finduilas geliebt. Er hat sicherlich vor allem im Andenken an sie keine Mätresse oder so etwas genommen. Außerdem waren Mätressen eine Art "Institution", die erst gegen Ende des Mittelalters wirklich richtig aufkam, dann vor allem bekannt durch den Hof der französischen Könige. Allerhöchstens könnte man an eine Geliebte denke, aber das passt irgendwie auch nicht zu Denethor. Außerdem: Warum sollte ein Mann nicht ohne Frau auskommen, ich meine, speziell auf diese Bedürfnisse bezogen? Denethor, kann ich mir denken, hat in vielen Teilen Sorgen genug gehabt, als an eine solche Betätigung zu denken. Eine Art Geliebte hätte seinen Status nicht gerade untermauert. Als Entspannung gibt es auch andere Betätigungen, selbst für Männer.
Zitat von Veleren Außerdem: Warum sollte ein Mann nicht ohne Frau auskommen, ich meine, speziell auf diese Bedürfnisse bezogen? Denethor, kann ich mir denken, hat in vielen Teilen Sorgen genug gehabt, als an eine solche Betätigung zu denken. Eine Art Geliebte hätte seinen Status nicht gerade untermauert. Als Entspannung gibt es auch andere Betätigungen, selbst für Männer.
Tolkien schreibt zwar von solchen Dingen nichts, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Mitglieder der Truchsessfamilie ein enthaltsames Leben wie Mönche geführt haben.
Um mal kurz zu einem anderen Buch abzuschweifen: Selbst der edle, tapfere, romantische Ritter Gerold hatte im Buch ständig irgendein Mädchen im Bett liegen, weil Enthaltsamkeit nicht immer nachvollziehbar ist.
Vielleicht liegt es aber auch an den Autoren, die ihre Charaktere so formten, wie sie selbst dachten: Tolkien, der ja schon im 19, Jhd. geboren wurde, war von eher altmodischer Gesinnung und hielt wahrscheinlich außereheliche Liebschaften für etwas moralisch verwerfliches, während Donna W. Cross eine modern denkende Frau mittleren Alters ist, die ihren Charakteren gerne mal was gönnt in Sachen Sex.
Zitat von Karin GondorianTolkien schreibt zwar von solchen Dingen nichts, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Mitglieder der Truchsessfamilie ein enthaltsames Leben wie Mönche geführt haben.
Naja gut, aber Denethor war ja mal verheiratet und er kann sich aus Liebe zu seiner Gemahlin durchaus entschieden haben, dass er keine sexuellen Kontakte mehr möchte. Mit mönchischer Enthaltsamkeit hat das für mich eher zweitrangig zu tun. Man müsste meiner Meinung nach dann wirklich darauf abstellen, wie groß das Bedürfnis eines Mannes ist, sich mit intimen Kontakten abzugeben (und ich glaube, diese Frage hat noch nicht einmal die Wissenschaft abschließend beantwortet, soweit man alle subjektiven Elemente ausblendet). Allerdings kann ich mir dann nicht vorstellen, dass Denethor in dieser Hinsicht wirklich ein Lebemann war. Für mich passt es nicht zu seiner Charakterisierung im Buch. (Im Film vielleicht, aber da war er eher zweifelhaft.)
Ich stelle mir vor, dass Denethor einfach seelisch nach dem Tod seiner geliebten Gemahlin kein Bedürfnis mehr nach weiblicher Gesellschaft hatte, nicht einmal körperlich. Prostitution hat in dieser Hinsicht wenig mit echten Gefühlen zu tun und ich glaube, Denethor hätte durchaus diese Gefühle bei einem Kontakt bevorzugt. Nach Außen hin mag er verhärtet gewesen sein, aber innerlich konnte er sich sicher nicht so einfach abkapseln, um mal eben mit einer anderen Frau etwas zu tun. Denethors Bedürfnisse auf eine rein körperliche Ebene herabzubringen, halte ich in seinem Fall für schwierig.
Es gibt übrigens auch Männer, die bis zu ihrer Vermählung nicht zu solchen Frauen gehen, eigentlich nie im Leben. So könnten sicher auch Faramir und Boromir in der Lage gewesen sein, auf die richtige Frau zu warten. (Dass Boromir keine mehr ehelichen konnte, ist eben Pech.)
Dann stellt sich wieder die Frage, ob Boromir und Faramir vielleicht kurzzeitige Liebschaften hatten. Freundinnen, mit denen sie Erfahrungen sammelten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Faramir als männliche "Jungfrau" in die Ehe ging. Da gibt es sogar im Buch eine Stelle, die darauf hindeutet, dass Faramir bereits Erfahrung mit Frauen gesammelt hat: "In den Tälern Gondors wachsen viele schöne Blumen und noch schönere Maiden. ..." Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Faramir so manche schöne Blume "gepflückt" hat.
Hui, das ist ja hier eine interessante Diskussion, und ich werd jetzt auch mal meinen Senf dazugeben.
Der Geschlechtstrieb - um diese wirklich schreckliche Wort zu benutzen - ist eines der mächtigsten Instrumente, die uns Mutter Natur zur Verfügung gestellt hat um das Überleben unserer Rasse sicherzustellen. Sex dient genau wie Essen und Trinken dazu, elementarste Bedürfnisse zu befriedigen. Mal alle persönlichen oder aufdoktrinierten Moralvorstellungen beiseite - warum sollten unsere Helden von Gondor auf Sex verzichten? Noch dazu als Krieger, die jeden Tag sterben konnten. Sie verzichteten ja auch nicht auf Speise und Trank indem sie diesbezüglich wie Mönche lebten. Klar, sie KONNTEN verzichten, wenn es sein musste, sogar eine Zeitlang auf Nahrung, denn sie waren durch ihre Ausbildung und ihre Kämpfe sicherlich an Entbehrungen gewöhnt, und sicher konnten sie auch für lange Zeit auf Frauen verzichten, wenn es sein musste. Aber einen einsehbaren Grund für denselben Verzicht bei gleichzeitig verlockendem Angebot kann ich nicht sehen. Ich stelle mir das so vor, dass Boromir und Faramir nur zu wählen brauchten ... Ich denke mal, sie mussten dafür nicht mal in ein Freudenhaus gehen. Es gab mit Sicherheit genügend willfähriges, weibliches Dienstpersonal im Fürstenhaus. Allein schon ihre Stellung (Söhne Denethors) dürfte für viele Frauen ein sehr erotisches, anziehendes Moment sein. Und Denethor? Nun, Macht und Erfolg wirken auch sehr erotisch.
Abgesehen davon ... *lächel* die arme Éowyn täte mir wirklich leid, wenn ich mir vorstelle, dass sie in ihrer Hochzeitsnacht ein völlig unerfahrener, jungfräulicher Faramir erwartet. Diese Frau hat doch einen wirklich guten Liebhaber verdient, tja, und Übung ist es nach wie vor, was den Meister macht ... *gr*
Ja, da ist was dran. Dass Denethor und seine Söhne wie Mönche gelebt haben, kann ich mir nicht vorstellen. Doch der Gedanke, dass sich z.B. Faramir irgendeine beliebige Magd ins Bett geholt hat, erscheint mir auch unpassend. Wobei: die adligen Damen, mit denen er sonst bei Festen und so Kontakt hatte, wären dafür eh nicht offen gewesen. Ich schließe mich dir aber an, dass Faramir bestimmt seine Erfahrungen hatte, nur woher? Ich finde es hier schwierig, eine Lösung zu finden
Vielleicht war ja Faramir vor Éowyn schon mal verliebt gewesen. Er macht ja Éowyn wirklich gekonnt und sehr romantisch den Hof, was ebenfalls für eine gewisse Erfahrung in solchen Dingen spricht.
Wobei es dann wieder anzumerken gibt, dass Liebe und gewisse Tätigkeiten dann wieder zwei verschiedene Paar Stiefel sind. Dass Faramir mit den Frauen in seiner Umgebung mal geflirtet hat oder gar die eine oder andere Beziehung hatte, kann ich mir durchaus vorstellen. Allerdings stelle ich mir dabei stets die Frage, wie tief diese Beziehung als solche ging. Ob sie tatsächlich auf die körperliche Ebene herabdringen konnte? Man muss es ja mal aus der Sicht der Frauen sehen: Sicher war es für Mägde oder Bedienstete üblich, sich den Mächtigen mal anzudienen. Aber Faramir dürfte sich dann doch eher mit Frauen aus den Reihen der Edlen abgegeben haben. Die allerdings waren aus schicklichen Gründen dazu gehalten, keine Befleckung ihrer Eheeignung zu riskieren. (Natürlich aus unserer modernen Sicht vielleicht unüblich, aber für eine edle Frau in Mittelerde sicherlich noch guter Ton oder gar Notwendigkeit!) Ergo: Faramir war vielleicht einmal in eine Maid verliebt, hatte gewisse Erfahrungen in Galanterie und Flirt, aber körperliche Beziehungen dann eher doch nicht.
Ich glaube nicht, dass in Faramir der Geschlechtstrieb so stark war. Vielleicht wurde er von einer Matrone in die Künste des Körpers eingeführt, aber sicherlich hat er sich dort danach nicht mehr frei betätigt.